Die Zauberrübe der Baba Yaga

Es war einmal ein Zarensohn, der seinem Vater erst kurz zuvor auf den Thron nach gefolgt war, als in sein großes Reich Feinde einfielen. Blutrünstige Heiden brannten die Dörfer nieder, zerstörten die Ernten auf den Feldern und töten Männer, Frauen und Kinder. Eilig wurde nun ein großes Heer versammelt, das unter der Führung des jungen Zaren nach Süden ziehen sollte. 

Dieser aber zweifelte sehr an sich und hatte große Angst davor, seinen Mannen kein guter Kriegsherr zu sein. In der Nacht, bevor er an der Spitze des Heeres ausrücken sollte, verließ ihn vollends der Mut. Heimlich verließ er sein Schloss und ritt auf seinem Pferd tief in die dunklen Wälder seiner Heimat, wo er sich vor seinen Kriegern versteckte, die unermüdlich nach ihm Ausschau hielten. 

Nach einigen Tagen ziellosen Umherirrens gelangte er an eine große Lichtung, auf der eine alte Hütte stand. Sogleich erkannte er an ihren gewaltigen Entenbeinen, dass es sich um die Behausung der Baba Yaga handeln musste, und beschloss, die für ihre Weisheit weit und breit bekannte Hexe um Rat zu fragen.

Tatsächlich ließ ihn auf sein Rufen eine zahnlose, verrunzelte Alte mit schlohweißem Haar ein und hörte sich geduldig seine Geschichte an. Dann musterte sie ihn eindringlich, holte aus ihrer Rocktasche eine rote Rübe, murmelte ein paar unverständliche Worte und reichte ihm die runzelige Frucht mit den Worten: „Von nun an brauchst du keine Angst mehr haben. Mit Hilfe der Zauberrübe wird dir stets alles gelingen, was du dir vornimmst.“

Seltsam gestärkt und beglückt verließ der junge Zar die alte Hexe, kehrte eilends auf sein Schloss zurück und ließ die Heeresführer zu sich rufen. Wenige Tage später zog er an der Spitze des gewaltigsten Heeres aus, das jemals im ganzen Zarenreich gesehen worden war. Bald hatte er die Feinde seines Volkes aufgespürt und trieb sie immer weiter vor sich her, weit über die Grenzen seines Reiches hinaus, bis sie er an der Spitze seiner verbliebenen Getreuen in ein fremdes Land gelangte. 

Erst mitten in einer sandigen Wüste, über der eine heiße Sonne brannte, verstreuten sie sich schließlich in alle Winde, sodass er von ihrer Verfolgung ablassen und an eine Heimkehr denken konnte. Auf seiner Rückreise gelangte er in eine große Stadt inmitten einer fruchtbaren Oase, in der er und seine Mannen gastfreundlich aufgenommen wurden. 

Der mächtige Sultan, der über die gesamte Gegend herrschte, lud den Zaren zu einem festlichen Abendmahl unter dem freien Sternenhimmel ein, um sich von seinen Erlebnissen erzählen zu lassen. Als der Zar nun aber die Zauberrübe erwähnte, da wurde der Sultan, der selbst der Zauberei mächtig war, neugierig und verlangte die Rübe zu sehen. Etwas widerstrebend händigte sie ihm der Zar aus, hatte er sich doch daran gewöhnt, sie stets bei sich zu tragen. 

Zu seiner großen Überraschung runzelte der Sultan jedoch bald die Stirn und sagte unwillig: „Wollt Ihr mich zum Narren halten? Das ist nur eine ganz gewöhnliche Rübe!“

Da wurde dem Zaren mit einem Schlag klar, dass er alle seine Siege und Heldentaten nur sich selbst zu verdanken hatte und dass die Baba Yaga ihm mit der Geschichte der verzauberten Rübe nur geholfen hatte, an sich selbst zu glauben.

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

  • Sehr schönes Märchen

    Ich gab Ursus Piscis eine herausfordernde Aufgabe mit den Wörtern: Wüste, Sternenhimmel, Oase, Angst vor dem Versagen und rote Beete. UP hat ein wie ich finde sehr schönes Märchen daraus entwickelt, und das sogar mit einer schönen Botschaft gekoppelt. ICh freue mich schon auf mein nächstes Märchen! Weiter so, Alex aus Berlin