Der Feuerrote Hans und die Zauberfeder

Es war einmal ein ehrlicher und fleißiger Tischler, der seit seiner Jugend wegen der Farbe seines wilden Lockenschopfs von allen nur der „Feuerrote Hans“ gerufen wurde. Dieser Spitzname blieb ihm auch erhalten, als er schon längst ergraut war. Trotz seines fortgeschrittenen Alters war er immer noch eine stattliche Erscheinung und überragte die meisten Mannsbilder in seinem Dorf um mehr als eine Haupteslänge.

Er wurde nicht nur wegen seines Geschicks im Umgang mit Holz geachtet, sondern auch wegen seiner Fröhlichkeit geschätzt. Ganze Gesellschaften unterhielt er mit seinen Geschichten – und wenn er zweimal dasselbe erzählte, dann war er es selbst, der am lautesten über sein kleines Missgeschick lachte. Kurzum war er ein allseits beliebter Mann, der sich mit Armen und Reichen gleichermaßen verstand.

Eines Tages aber verletzte er sich an seiner guten Hand so schwer, dass er seiner Arbeit nicht mehr wie gewohnt nachgehen konnte. Da sie ihm längst auch Lebensinhalt geworden war, saß er trübsinnig in seinem Haus herum und wusste nichts mit sich anzufangen. Seine Frau Rosemarie aber, der vor ihrer Heirat alle Männer ringsum wegen ihrer Schönheit zu Füßen gelegen waren, dauerte sein Leid und sie sprach zu ihm: „Gräme dich nicht so sehr, mein lieber Mann. Warum gehst du nicht ein wenig in den Wald spazieren? Die frische Luft wird dir gut tun und die Bewegung wird dich auf andere Gedanken bringen. Vielleicht kannst du dich so von deinem Kummer ablenken.“

Dankbar für den weisen Rat nickte Hans, zog sich seine Wanderschuhe an und machte sich auf den Weg. Nach einiger Zeit erreichte er schließlich nahe einem glasklaren Bach eine Stelle im Wald, an welche er schon als Kind von seinen eigenen Vater geführt worden war und die er wegen ihrer uralten Bäume immer schon sehr gemocht hatte. Inmitten ein paar dunkler, hoher Tannen ließ er sich auf einem Baumstumpf nieder und begann, ihnen sein Leid zu klagen. „Was erzählt uns dieser merkwürdige Mann?“ rauschte eine gewaltige Eiche ihren Nachbarn zu, indem sie ihre Blätter mit Hilfe des Windes aneinander rieb. Da sie sich nur sehr selten zu Wort meldete, wurden die anderen Bäume rasch hellhörig und beugten bald ihre Wipfel zu ihm hinab, um seinen Worten besser folgen zu können. Schließlich war es ein kleiner, besonders frecher Baumpilz, der ihnen flüsternd die Klage des unglücklichen Mannes übersetzte. Betroffen ließen sie ihre Äste hängen. „Wer soll ihm helfen? Wir haben solche Fertigkeiten nicht!“ klirrten die Blätter der Zitterpappel, die es sich nahe des kleinen Bachs gemütlich gemacht hatte. Die Nachricht von dem merkwürdigen Mann und seinen Sorgen verbreitete sich in Windeseile bis in das Herz des Waldes, wo sie die Ohren von Wesen erreichten, deren Vorkommen die Menschen längst vergessen hatten. Voller Mitgefühl beschloss eines unter ihnen sogar unverzüglich, zu Hilfe zu eilen …  

Der feuerrote Hans aber merkte von all diesen Geschehnissen nichts – er schlummerte vor Müdigkeit ein und hatte sogleich einen gar seltsamen Traum: Ihm erschien seine Tochter Marlene, die ihn liebevoll anlächelte und sagte: „Lieber Vater, ich habe hier ein Geschenk für Dich, mit welchem ich dir eine kleine Freude machen möchte.“ Mit diesen Worten zog sie eine schön gearbeitete Schreibfeder hervor und überreichte sie ihm. Hans aber antwortete seufzend: „Ach! Mein Kind, du siehst doch, dass ich meine Hand kaum zu gebrauchen weiß, was soll mir da die Feder nützen?“ „Nun, du wirst schon sehen, dass sie ihren Zweck erfüllt“, antwortete sie, bevor sie ihm eine Kusshand zuwarf und in einem strahlenden Lichtkranz verschwand.

Als Hans aber erwachte, da war er bass erstaunt, als auf dem weichen Moospolster neben ihm die prächtigste Feder lag, die er je zuvor gesehen hatte! Da wusste er, dass ihn eine gute Fee in seinem Traum besucht hatte. Dankbar nahm er ihre Gabe an sich und eilte nach Hause, um seiner Frau von seinem Erlebnis zu erzählen und ihr das Geschenk zu zeigen. Sie freute sich mit ihm und ermutigte ihn, es nur ja recht bald zu nutzen, um die Holde nicht zu vergrämen.

Einige Zeit später, nachdem seine Hand einen Großteil ihrer alten Kraft wieder gewonnen hatte und er bereits seiner Arbeit nachging, saß er spätabends noch an seinem Schreibtisch und grübelte über ein schwieriges Werkstück nach. Tief in Gedanken versunken begann er dabei, mit der Zauberfeder zu spielen. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, fiel ihm die Lösung wie Schuppen von den Augen. Rasch tauchte er die Feder in das Tintenfass, um diese zu Papier zu bringen. Die ersten Striche waren zwar noch ein wenig ungelenk, aber schon bald hatte er zu seiner Freude eine schöne Zeichnung angefertigt. Im Laufe der nächsten Wochen machte Hans immer wieder die Erfahrung, dass er lediglich zu der Feder greifen musste, um beim Schreiben oder Zeichnen sogleich seine Gedanken ordnen zu können.

Um der Fee seine Dankbarkeit zu zeigen, ging er fortan für den Rest seines Lebens an jedem Tag, an dem sich ihre Gabe jährte, zu der Lichtung und hinterließ eine kleine Schnitzerei. Die Feder aber verwahrte er stets sorgsam und vermachte sie schließlich seinen Nachkommen, damit sie auch ihnen durch die Zauberkraft, die ihr innewohnte, bei ihren Entscheidungen helfen würde.

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  • eine gelungene Überraschung!

    Die Idee meinem Vater zum 60. Geburtstag ein personalisiertes Märchen zu schenken entstand aus der Not heraus, da das (materielle) Geschenk bereits vor uns lag und plötzlich durch eine Verletzung meines Vaters nicht mehr als passend erschien.
    Durch dieses Märchen, war nicht nur das Geschenk selbst (ebendiese Schreibfeder) der Renner, sondern mein Vater zeigte sich auch sichtlich gerührt und hat an der einen oder anderen Stelle laut aufgelacht, als er sich wieder erkannt hat.

    Insgesamt war der Beschenkte sehr gerührt und es hat auf jeden Fall die Wirkung nicht verfehlt.
    Ich war positiv überrascht über die schnelle und professionelle Bearbeitung der Anfrage und kann diese Geschenkidee uneingeschränkt weiterempfehlen!

    Vielen herzlichen Dank an das Autorenduo!